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Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zu politik&kommunikation weekly.

Heute lesen Sie:

  • Wer den Job seines Lebens gefunden hat
  • über eine vielversprechende Initiative an deutschen Schulen
  • über einen diskriminierenden Antidiskriminierungsbeauftragten
  • eine Stellungnahme zum neuen Wehrdienstmodell
  • Zeitkritisches in Versen von Peter Voß

Wir freuen uns, dass Sie dabei sind, und wünschen viel Spaß beim Lesen.

Ich möchte an dieser Stelle keine prophetische Begabung für mich in Anspruch nehmen – aber tatsächlich habe ich Christian Lindner in den vergangenen Jahren gelegentlich mit einem Autohändler verglichen. Und das durchaus anerkennend, ist doch der Beruf des Autohändlers in aller Regel provisionsstark. Außerdem passt es auch vom Habitus her: Lindner ist schneidig und adrett, besitzt eine goldene Zunge und kann sowohl Kumpeltyp als auch aalglatt – ein echter Sales-Profi eben. Nur halt mit politischen Inhalten im Angebot.

So schließt sich ein Stück weit der Kreis beim zukünftigen Engagement des ehemaligen Finanzministers bei der Autoland AG, bei der er ab Januar stellvertretender Vorstandsvorsitzender wird. Auch Lindner selbst scheint dies so zu sehen: „Dass es die Autobranche ist, wird niemanden überraschen, der meine persönlichen Leidenschaften kennt“, schrieb er dazu in seinem Ankündigungspost auf Facebook. Lindner scheint nun ganz bei sich angekommen zu sein.

Gleichzeitig wird er sich künftig ebenso aufteilen müssen. Neben seiner neuen Arbeitsstelle „im Mittelstand“ hat er zahlreiche weitere Mandate übernommen. So wird er unter anderem unabhängiges Mitglied im Shareholder-Board von Axel Springers Jobbörse Stepstone, verstärkt den Beirat des Abrissunternehmens Hagedorn und übernimmt ein „schmales Mandat“ als Senior Advisor bei der Agentur Teneo. Hinzu kommen gut dotierte Vortragsreisen und ein lebendiges Familienleben.

Während Baerbock mit dem Taxi durch New York fährt und Habeck durch die Theatersäle der Republik tingelt, liegt Lindners berufliches Hauptaugenmerk künftig auf Ostdeutschland – dem Schwerpunkt der Autoland AG. Oder, wie er es selbst ausdrückt: „Auto statt Hedgefonds, Sandersdorf-Brehna statt New York“ bzw. „wo das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt“. Wie bescheiden wirkt dagegen der Karriereausklang des einfachen MdBs Olaf Scholz, der diese Woche im ZEIT-Interview ankündigte, was er nun vorhabe: Bücher schreiben.

Podcasts von politik&kommunikation

In der aktuellen Folge des Podcasts „Berlin-Mitte-Talk“ spricht Tobias Schmidt mit Valentine Baumert, Senior Executive Government Affairs bei Philip Morris, über die Ergebnisse der Studie „Wie wir wirklich leben“, die in dieser Woche im Rahmen der „Powered by Philip Morris Gala“ in Berlin offiziell vorgestellt wurde.

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Düzen Tekkal, Journalistin und Menschenrechtsaktivistin

Alltagsgewalt und gesellschaftliche Spaltung sind ein großes Problem in Deutschland. Wo politische Appelle oft verhallen, setzt Düzen Tekkal auf die Praxis. Berlins Bildungsverwaltung holt ihre Initiative „GermanDream“ jetzt offiziell an die Schulen. Geplant sind in den kommenden zwei Jahren rund 200 „Wertedialoge“ an etwa 100 weiterführenden Schulen sowie 59 Fortbildungen für rund 1.300 Lehrkräfte. Eine wirksame Antwort auf die sonst so hilflose Frage: Ja, aber was kann man denn tun?

Timur Husein (CDU), MdA Berlin

Der Berliner CDU-Abgeordnete Timur Husein hat in dieser Woche auf die Linkspolitikerin Elif Eralp gezielt – und ein Eigentor geschossen. Er warf ihr in einem Social-Media-Beitrag vor, sie wolle illegale Zuwanderung fördern und nannte als Beispiel wörtlich „Sinti&Roma (Zigeuner)“. Weil er das diskriminierende und historisch belastete Invektiv benutzt hat, diskutiert niemand über seine Kritik und viele über seinen (fehlenden) politischen Stil. Der Antisemitismus-Beauftragte einer Parlamentsfraktion sollte es besser wissen.

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Prof. Dr. Patrick Sensburg, Präsident des Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr

Die Bundesregierung hat sich endlich auf ein neues Wehrdienstmodell geeinigt. Doch reichen die beschlossenen Maßnahmen? p&k hat den Präsidenten des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, um eine kurze Stellungnahme gebeten:

Wir als Reservistenverband sind der Auffassung, dass wir langfristig eine allgemeine Wehrpflicht brauchen, damit die Bundeswehr ausreichend aufwuchsfähig ist und eine glaubwürdige Abschreckung aufbauen kann. Bislang fehlt es an ausreichend Kapazitäten, um die geforderte Anzahl von Wehrdienstleistenden in großer Zahl zu mustern, auszubilden, auszurüsten und unterzubringen. Das kostet Zeit und Geld, jedoch darf das kein Grund sein, es nicht zu tun. Deshalb plädiere ich dafür, dass nach einer Übergangszeit, in der wir die Strukturen für die Wehrdienstleistenden wieder aufbauen, die allgemeine Wehrpflicht, wie im Grundgesetz verankert, wiedereingesetzt wird. Für die nächsten Jahre ist das vorgelegte Gesetz ambitioniert genug. Wichtig ist jetzt vor allem, dass wir großflächig mustern, um einen Gesamtüberblick zu bekommen und die Vereinbarung von klaren Zielkorridoren. Des Weiteren kommt es jetzt darauf an, dass Gesetz möglichst schnell zu beschließen und umzusetzen, denn das Ganze ist ein Prozess und wir müssen nun endlich vor die Welle kommen.

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Diese Woche bei politik&kommunikation

Die neuesten Artikel, Analysen, Kolumnen und Interviews auf politik-kommunikation.de

Wie Algorithmen die politische Haltung der Gen Z prägen

Wie beeinflussen TikTok und Co. die politische Haltung der Gen Z? Ein Blick hinter die Kulissen der Algorithmen und ihrer Macht, politische Meinungen zu formen

Vossische Verszeitung

Flüchtlingsbeichte

Ach, lang war ich ein treues Glied
der Kirche, doch ich ward es müd,
dass mir da oft Profanes blüht,
zu platt wird Politik gepredigt,
zu oft auch selbstgerecht und scharf,
da scheint der Dissident schon sündig.

Nur, dass ich nichts erwidern darf,
wird auch mit manchem hehren Wort,
als wär’s ein kalkulierter Mord,
der Geist, wenn nicht gleich Gott erledigt,
wer beide sucht, wird selten fündig.

Ob’s da dem Glauben hilft, bleibt offen,
wenn von der Kanzel uns betroffen
ein Irgendwer mit leichtem Grollen
verkündigt, wo wir bei den Wahlen
(nicht) unser Kreuzchen machen sollen.

Wie leicht kann „Rechtes“ uns verführen,
dann ist für uns nichts mehr zu hoffen –
für dieses Misstrau’n soll ich zahlen?
Den Klerus mag’s ja nicht genieren,
zumal es ablenkt von Skandalen.

Noch fühl ich mich als Bürger mündig
und frei zum Denken, Tun und Wollen,
weshalb ich fliehe und sofort
heimkehre zum vertrauten Ort,
wo ich mit Kumpeln und beim Bier
das Sportgeschehen diskutier.

Fotocredits:

1. privat / Facebook

2. Robert Feldmann

3. dpa / Jens Kalaene

4. dpa / Britta Pedersen

5. Patrick Sensburg / Jan Kopetzky

6. privat

Redaktion: Torben Werner, Konrad Göke und Tobias Schmidt
Geschäftsführer: Rudolf Hetzel, Torben Werner
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